Marc-Richir-Archiv

Die Bergische Universität Wuppertal wird in naher Zukunft das neugegründete Marc-Richir-Archiv beherbergen. Marc Richir (1943-2015) gehört zur dritten Forschergeneration der phänomenologischen Bewegung. In seinem originellen und eigenständigen Ansatz einer Phänomenologie der Sinnbildung verbinden sich eine intensive Kritik und Interpretation der ganzen phänomenologischen Tradition – von den Gründervätern Husserl und Heidegger bis zur zeitgenössischen Forschung – mit einer breit angelegten Lektüre der Philosophiegeschichte in systematischer Absicht, von der Antike bis zur klassischen deutschen wie französischen Philosophie.

Dabei zeigt sich sein Denken im besonderen Maße dialogfähig. Mit seinem Ansatz einer Neugründung der transzendentalen Phänomenologie sucht Marc Richir Antworten auf die Fragen des Strukturalismus und Post-Strukturalismus, ebenso wie der Psychopathologie oder der phänomenologischen Anthropologie. Bisher noch kaum rezipiert sind darüber hinaus seine zahlreichen Schriften zur Politik, Literatur und Mythen-Forschung. Mit der von ihm ins Leben gerufenen Publikationsreihe der „Krisis“ (Verlag J. Millon) sowie der Zeitschrift „Annales de Phénoménologie“ hat sich bereits eine rege Forschungsgemeinschaft im Umkreis seiner Philosophie gebildet.

Mit seinem Tod im Jahre 2015 fand dieses reiche wie lebendige Denken sein Ende. Dem Lehrstuhl für theoretische Philosophie, unter der Leitung von Prof. Alexander Schnell, wurden die Nachlassrechte an seinem Werk zugesprochen. Es bietet sich daher nun die Gelegenheit, die Rezeption seines Werkes in Deutschland fortzuführen und auszubauen. Neben der Katalogisierung der umfangreichen Privatbibliothek Richirs ist es vor allem der handschriftliche Nachlass, der sukzessive erschlossen, und in Form von Digitalisaten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll.

Darüber hinaus erweist sich Marc Richir nicht bloß als vielseitiger und origineller Philosoph, sondern auch als europäischer Denker. Nachdem er eine erste Aufmerksamkeit in Frankreich und Belgien erhalten hatte, gibt es inzwischen eine große Anzahl spanischer Forscher, die sich mit seinen Ideen auseinandersetzen. Derzeit besteht ein wachsendes Interesse auch in Deutschland, Ost-Europa wie auch zunehmend interkontinental (USA, Japan, China usw.). Damit zeichnet sich bereits ab, dass das Richir-Archiv mehr sein wird als ein Sammelplatz für eingeweihte Spezialisten. Vielmehr soll es das „Herzstück“ eines Zentrums philosophischen Lernens und Forschens werden. Im Namen des Archivs werden Seminare, Workshops und Tagungen veranstaltet, welche Studenten, Doktoranden und Forscher diverser Fachrichtungen aus den verschiedensten Ländern in Kontakt bringen sollen.