Internationales Fichte-Forschungszentrum

(IFF)

Aktuelles

Internationale Tagung „Selbstbewusstsein und Absolutheit. Der Umbruch in Johann Gottlieb Fichtes Denken um 1800″, 10. – 11. Januar 2020, Friedrich-Schiller-Universität Jena

in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Fichte-Forschungszentrum (IFF) (Wuppertal) und der Universidad Nacional de Educación a Distancia (UNED) (Madrid)

Org.: Prof. Dr. Andreas Schmid (Jena)

Im Zentrum der Tagung steht ein close-reading der Neuen Bearbeitung der Wissenschaftslehre von 1800. Diese wurde erstmals 1979 in Bd. II/5 der J.G. Fichte-Gesamtausgabe veröffentlicht (S. 331–402). Wie bei den 1793/94 von Fichte verfassten Manuskripten Eigne Meditationen über ElementarPhilosophie und Practische Philosophie, die 1971 aus dem Nachlass veröffentlicht worden sind, handelt es sich also um einen erst durch die neue Gesamtausgabe verfügbar gewordenen Text, der ein Licht auf Fichtes philosophische Entwicklung wirft. Gerade diese Wissenschaftslehre von 1800 hat dabei – trotz ihrer Stellung an einem ‚Knotenpunkt‘ von Fichtes Entwicklung – bisher aber in der Forschung zu wenig Aufmerksamkeit gefunden.

In einer eigenartigen Verbindung mit den biographischen Fakten – der Entlassung aus der Universität Jena und dem Wechsel nach Berlin – vollzieht sich in Fichtes Denken um 1800 eine Neuorientierung und Transformation, die heute aufgrund der Gesamtausgabe besser verständlich wird als zuvor. Die Neue Bearbeitung der Wissenschaftslehre rekurriert nicht nur auf den ‚Atheismus-Streit‘, namentlich auf Fichtes kurz zuvor erschienene Bestimmung des Menschen und die Auseinandersetzung mit Jacobi, sondern steht in einem weiteren Debatten-Kontext um 1800.

Die Neue Bearbeitung der Wissenschaftslehre 1800 versucht, Ansatz und Gedankengang der Wissenschaftslehre in ihren entscheidenden Aspekten erneut zu fassen und zu präzisieren. Dieser Versuch zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass Fichte auf die drei wichtigsten Jenaer Darstellungen seines Systems – die Grundlage der gesamten Wissenschaftslehre von 1794/95, die Wissenschaftslehre nova methodo und die Sittenlehre von 1798 – zurückblickt, und zwar so, dass er eine gewisse Distanz zu allen drei Fassungen deutlich werden lässt und eine neue Darstellung der Wissenschaftslehre umreißt, welche die Mängel aller früheren Versuche beheben, dem Ganzem sozusagen den letzten Schliff geben und die intendierte „endgültige“ Fassung der Wissenschaftslehre erbringen soll.

Einerseits sollen Impuls-Vorträge die Entwicklung Fichtes und ihre Kontexte in den Jahren um 1800 beleuchten, andererseits soll nach dem bewährten Modell des gemeinsamen close-reading die von der Forschung noch kaum erschlossene Neue Bearbeitung der Wissenschaftslehre von 1800 erarbeitet werden, die in Form eines nachgelassenen Manuskripts vorliegt.

Auf und mit dieser Tagung feiern wir den 60. Geburtstag unseres Kollegen Prof. Dr. Mario Jorge de Carvalho (Lissabon).

Referentinnen und Referenten:

Andreas Schmidt (Jena), Petra Lohmann (Siegen), Alexander Schnell (Wuppertal), Jacinto Rivera des Rosales (Madrid), Thomas Kisser (München), Stefan Lang (Halle), Georg Spoo (Freiburg), Nicolas Bickmann (Bonn), Suzanne Dürr (Jena), Martin Wilmer (Wuppertal) und Mario Jorge de Carvalho (Lissabon)

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Internationales Johann-Gottlieb-Fichte-Forschungszentrum (IFF)

Das Internationale Johann-Gottlieb-Fichte-Forschungszentrum (IFF) an der Bergischen Universität Wuppertal setzt es sich zum Ziel, die Fichte-Forschung in Deutschland sichtbar zu verorten und sich von dort aus in die verschiedenen internationalen Netzwerke einzufügen. Hierdurch soll an die traditionsreiche Vergangenheit der Fichte-Forschung an der Bergischen Universität Wuppertal angeknüpft werden. Diese wurde von Prof. Wolfgang Janke begründet, der von 1975 bis 1993 einen der beiden ersten Lehrstühle am Philosophischen Seminar innehatte.
Die nationale und internationale Fichte-Forschung steht noch immer vor der Aufgabe, die seit 2012 abgeschlossene monumentale 42-bändige kritische Gesamtausgabe zu kartieren und zu erarbeiten. Dabei sucht sie einerseits ein Bild der Fichte’schen Philosophie in ihrer inneren Entwicklung und eigenen Dynamik zu geben und andererseits daraus eine philosophische Grundstruktur zu bestimmen, die es erlaubt, die Bedeutung dieses Denkens für die Gegenwart und den aktuellen Diskurs, in dem nach wie vor die Wendung zur Sprache sowie die Kritik der Subjektivität zentrale Paradigmen sind, zu präsentieren.
Die Arbeit am IFF verschreibt sich daher der Förderung des Denkens und Wirkens Fichtes im Kontext seiner Zeit und im Austausch mit den Protagonisten der Klassischen Deutschen Philosophie. Ein Hauptaugenmerk soll auf seine Wirkung auf die zeitgenössische Philosophie gelegt werden. Dabei steht der Austausch und Vernetzung mit den internationalen Forscherinnen und Forschern im Vordergrund. Regelmäßig werden hierzu Workshops, Ateliers und Seminare veranstaltet, die diese Internationalität widerspiegeln sollen. Ein langfristig verfolgtes Ziel ist die Digitalisierung der Fichte Gesamtausgabe und die Bereitstellung von Forschungs- und Sekundärliteratur online. Darüber hinaus ist das ZFF auch Mitausrichter der jährlichen internationalen Tagungen im Barock-Schloss Rammenau, die jedes Jahr an Fichtes Geburtstag in dessen Geburtsort stattfinden.
Publikationsorgan des IFF ist die Editionsreihe „Deutsche Idealismen“ in der Online-Plattform „EuroPhilosophie Editions“.

 

Kooperationspartner:
  • Internationale Fichte-Gesellschaft
  • Internationales Forschungsnetzwerk Transzendentalphilosophie/Deutscher Idealismus (A priori)
  • Groupe d’Etudes Fichtéennes de Langue Française
  • Rete Italiana della Ricerca su Fichte
  • Red Ibérica de Estudios Fichteanos
  • The North American Fichte Society

 

Organisationsstruktur

Direktor
Prof. Dr. Alexander Schnell (Universität Wuppertal)

 

Geschäftsführung
1. Geschäftsführer: Dr. Thomas Kisser (ITP/Wuppertal)
2. Geschäftsführerin: Prof. Dr. Petra Lohmann (Universität Siegen)

 

Wissenschaftlicher Beirat
Dr. Erich Fuchs (Bayerische Akademie der Wissenschaften, Ehrenvorsitzender des wiss. Beirates)
Prof. Dr. Augustin Dumont (Université de Montréal)
Prof. Dr. Lore Hühn (Universität Freiburg)
Prof. Dr. Marco Ivaldo (Universität Neapel)
Prof. Dr. Christian Klotz (Universidade Federal de Goiás, Brasilien)
Prof. Dr. Marc Maesschalck (Universität Louvain-la-Neuve)
Prof. Dr. Elizabeth Millán (DePaul University, Chicago)
Prof. Dr. Rainer Schäfer (Universität Bonn)
Prof. Dr. Andreas Schmidt (Universität Jena)

 

Kooperationspartner
Prof. Dr. Christoph Asmuth (TU Berlin)
Prof. Dr. Daniel Breazeale (University of Kentucky, verantw. Leiter der North American Fichte Society)
Prof. Dr. Matteo Vincenzo d’Alfonso (Universität Ferrara, Präsident der Internationalen Fichte-Gesellschaft)
Prof. Dr. Ives Radrizzani (LMU München)
Prof. Dr. Jacinto Rivera de Rosales Chacón (UNED, Madrid, verantw. Leiter des Red Ibérica de Estudios Fichteanos)
Prof. Dr. Ulrich Schlösser (Universität Tübingen)
Prof. Dr. Philipp Schwab (Universität Freiburg)
Dr. Maria Jimena Solé (Universität Buenos Aires)

 

Assoziierte Mitglieder
Ass. Prof. Dr. Alessandro Bertinetto (Universität Turin)
Ass. Prof. Dr. G. Anthony Bruno (Royal Holloway University of London)
Dr. Martin Bunte (Universität Münster)
Dr. Benjamin Crowe (Boston University)
Dr. Suzanne Dürr (Universität Jena)
PD Dr. Michael Gerten (Universität Bamberg)
Ass. Prof. Dr. Gabriel Gottlieb (Xavier University, Cincinatti, USA)
Dr. Laurent Guyot (ITP/Wuppertal)
Dr. Philipp Höfele (Universität Freiburg)
PD Dr. Stefan Lang (Universität Halle)
Prof. Dr. Peter Oesterreich (Augustana-Hochschule Neuendettelsau)
Dr. François Ottmann (Paris)
Dr. Max Rohstock (Universität Heidelberg)
Ass. Prof. Dr. Frédéric Seyler (DePaul University, Chicago)
Dr. Hartmut Traub (Mülheim)
Dr. David Wood (Universität Leuven)

 

Doktorandinnen und Doktoranden, Studierende
June-Sang Ahn (Universität Wuppertal)
Michael Lewin (Universität Wuppertal)
Maik Niemeck (Universität Freiburg)
Simon Schüz (Universität Tübingen/Universität Landau)
Jannik Weltner (Universität Heidelberg)
Martin Wilmer (Universität Wuppertal)
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Archiv

Internationale Tagung „Fichtes Entdeckung der Intersubjektivität III. Die Wissenschaftslehre Nova Methodo 1798/99“, 17. – 19. Mai 2019, Barockschloss Rammenau

 

Organisiert von der Internationalen Fichte-Gesellschaft und dem IFF (Wuppertal) in Zusammenarbeit mit der Università degli Studi di Ferrara.
Teilnehmer: Roderich Barth (Leipzig), Martin Bunte (Münster), Matteo d’Alfonso (Ferrara), Mario Jorge de Carvalho (Lissabon), Suzanne Dürr (Jena), Dominik Finkelde (München), Johanna Hueck (Freiburg), Marco Ivaldo (Rom), Jindrich Karasek (Prag), Thomas Kisser (München), Christian Klotz (Goiania), Stefan Lang (Halle), Petra Lohmann (Siegen), Maria-Caterina Marinelli (München/Rom), Akitoshi Nakagawa (Kyoto), Ives Radrizzani (München), Masafumi Sakurai (Kyoyo), Rainer Schäfer (Bonn), Andreas Schmidt (Jena), Alexander Schnell (Wuppertal), Philipp Schwab (Freiburg), Ulrich Schwabe (Tübingen), Cristiana Senigaglia (Triest), Georg Spoo (Freiburg), Jürgen Stolzenberg (Halle), Hans Georg von Manz (München), Gesa Wellmann (Basel).